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CC-BY-00: Unsplasch

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Der Markt für Skiurlaub stagniert, vor allem in den traditionellen Herkunftsländern. Das Maximum an Skiurlaubern wurde in den 1990er Jahren erreicht. Die Generation der Babyboomer war begeistert von Ingemar Stemark, St. Moritz und Aprés Ski. Trotzdem wäre es falsch, heute einen Abgesang an den Skisport anzustimmen. Skifahren ist das Kernprodukt des Wintertourismus in den Alpen und oftmals auch der Einstieg in und die Grundlage für alternative Wintersportarten wie bspw. Skitouren oder Langlauf. Nachdem diese alternativen Wintersportaktivitäten stark wachsende Segmente sind (die Sportartikelhersteller wissen das seit Jahren), ist wohl eine doppelgleisige Strategie im alpinen Wintertourismus nötig.

Zum einen gilt es das Kernprodukt Ski durch gezielte strategische Maßnahmen zu unterstützen, insbesondere den Nachwuchs betreffend. Gemeint sind nicht nur Kinder, sondern Anfänger jeder Altersklasse. Dies gilt im Besonderen für die Einheimischen in den alpinen Winterdestinationen. Nur wenn der Skisport Teil der gelebten Identität einer Destination ist, kann es gelingen, auch neue Gäste für den Wintersport zu motivieren. Und diese gibt es: Snowboarder, Tourengeher, Freerider, Telemarker, fitness-bewusste Langläufer, etc. Zum anderen ist es in Anbetracht des wachsenden Marktes an alternativen Wintersportarten notwendig, das Angebot Skiurlaub stärker zu diversifizieren, indem diese alternativen Aktivitäten in die Produktentwicklung und in die Marktkommunikation besser integriert werden. Aber auch langfristige Vertriebsstrategien in Richtung der wachsenden asiatischen Märkte sollten Seilbahner und Touristiker in die Agenda einplanen.

Die Seilbahner haben einen wesentlichen Beitrag geleistet, damit sich der alpine Wintertourismus – verbunden auch mit gewissen negativen Externalitäten – entwickeln konnte. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass der Wintertourismus eine höhere Wertschöpfung als das sommerliche Geschäft mit dem Gast erzielt. Historisch betrachtet war es vorwiegend der Wintersport, der die ökonomische Grundlage geschaffen hat, dass sich im Alpenraum neben der Landwirtschaft der Tourismus als Existenzgrundlage etablieren konnte. Heute sind Landwirtschaft und Tourismus eng miteinander verbunden und von dieser Co-Existenz profitieren heute vermehrt auch die landwirtschaftlichen Kleinbetriebe, wie erste Untersuchungen der EURAC zeigen (MONAS-Studie). Eine Industrialisierung der Alpen in der Nachkriegszeit wäre keine realistische Alternative gewesen und ist es auch heute nicht.

Die zunehmende Marktdynamik im Wintersport aber auch die steigenden Energie- und hohen Kapitalkosten stellen die Seilbahnbetreiber in den Alpen vor großen Herausforderungen. Dabei sind Seilbahnbetreiber ein wichtiger und insbesondere integrativer Teil der touristischen Wertschöpfungskette. Sie sind Technologieunternehmen, Mobilitätsdienstleister aber auch Marketingagentur, denn der Kunde verlangt Erlebnisqualität, Unterhaltung und starke Bilder. Sie haben wie kaum ein anderer Akteur im Tourismus die gesamte Destination im Blickfeld, da sie unzertrennlich von dieser abhängen. Sie sind es, die in vielen Fällen zukunftsweisende Innovationen im alpinen Tourismus und darüber hinaus anregen und umsetzen und auch über den eigenen Kirchturm hinausdenken. Skiverbunde wie bspw. Dolomiti-Superski haben eine enorme Vernetzungsleistung erbracht, nicht nur wirtschaftlich gedacht, sondern auch die Köpfe der Menschen betreffend.

Die Zukunft der Seilbahnerbetreiber kündigt sich wegen der oben genannten Herausforderungen als nicht unbedingt einfach an. Es sind wohl drei Situationen zu unterscheiden. Die großen Skigebiete werden weiterhin im Konzert der Großen mitspielen können, ihr Produkt optimieren und internationalisieren. Die kleinen Dorflifte spielen eine zentrale Rolle in der Nachwuchsförderung und sind wohl ohne öffentliche oder private Unterstützung kaum überlebensfähig. Hier ist die Konsolidierung eher schon zu weit fortgeschritten. Bei den mittelgroßen Skigebieten wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Wo möglich und sinnvoll, wird man schwerlich umhin kommen, das Produkt zu diversifizieren, neue Kooperationen einzugehen und neue Zielgruppen anzusprechen. Dazu gehören Fusionen von Gesellschaften, infrastrukturelle Vernetzungen, Integration in nachhaltige Mobilitätskonzepte, Spezialisierung auf bestimmte Zielgruppen. Als dritte Option – bei fortgesetzt fehlender wirtschaftlicher Tragfähigkeit – gilt es möglicherweise auch den Mut aufzubringen, Strukturen zurückzubauen.

Was bedeutet das für die kürzlich abgehaltenen Referenden zu den Seilbahnbauten bzw. Verlegungen in Brixen-Plose und Mühlbach-Meransen?

Entscheidungen treffen geht einher mit dem Übernehmen von Verantwortung für die Konsequenzen dieser Entscheidungen. Entsprechend der oben genannten Marktentwicklung und Herausforderungen sollte klar sein, dass man mit diesen Entscheidungen den betroffenen Skigebieten Gitschberg-Jochtal und Plose keinen Gefallen getan hat. Nicht, dass sie morgen zusperren und bei aller Unterschiedlichkeit zwischen den zwei Fällen, aber der mittelfristige Fortbestand solcher mittelgroßen Skigebiete ist keine Selbstverständlichkeit.

Die Referenden haben neben einem Nein zu den Plänen der Seilbahnunternehmen aufgezeigt, dass deren Handlungsspielraum eingeschränkt wird. Ihre Vorhaben kämpfen derzeit um Vertrauen beim Volk. Als wichtiger Akteur einer Destination werden sie zögerlicher werden und mit ihnen auch ihre Partner. Die Abstimmungen haben zu Verantwortungen geführt, die viel Mut voraussetzen, es waren riskante Entscheidungen, wenn man so will. Zu hoffen ist deswegen, dass sie bewusst mit Blick auf die realen – auch wirtschaftlichen – Konsequenzen getroffen wurden. Es wird möglicherweise eben nicht alles bleiben wie es war.

Dies kann Gutes bringen, aber auch nicht. Möglicherweise haben wir morgen irgendwann weniger junge Skifahrer in Südtirol. Keinen Mölgg und keine Kostner, und auch weniger Tiefschneespuren von sportlichen Kameradschaften, die gemeinsam einen Skitourentag bei einem hausgemachten Knödeltris ausklingen lassen werden. Und die Plose wird den Kids von heute als Mineralwassermarke in Erinnerung bleiben.

Alles halb so wild. Die Schließung des Skigebietes Zirog haben wir auch überlebt.

Autoren: Michael Volgger, Manuel Demetz

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  • Hallo,
    richtig schade wenn solche Entscheidungen kommen. Soll man es von positiver Seite sehen, ist es echt “alles halb so wild”.
    Neue Infos wären nett! 🙂

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