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Das Ende des Tourismus wie wir ihn kennen: Dies ist die zentrale Aussage von „Wonderful Copenhagen“ von Destination Think (destinationthink.com), das mit einer Quasi – Einleitung des Endes des traditionellen Tourismus einen durchaus provokanten Einstieg in die Zukunft der Metropolitanregion Kopenhagen startet. Insbesondere die großen technologischen Veränderungen und die damit zusammenhängende sogenannte Digitalisierung führen zu völlig neuen Formen des Austausches von Wissen sowie der Kommunikation an sich. Im Spannungsfeld von „Shared Economy“ und „Augmented Reality“ und vor allem durch die durch das Internet erzielte höhere Transparenz verändern sich auch die Ansprüche der User, insbesondere der User sozialer Medien, an die Qualität der Information sowie an deren Glaubwürdigkeit. Diese Entwicklung geht einher mit der hohen Attraktivität des Städtetourismus, die wiederum getrieben ist von den großen Veränderungen in der Airlineindustrie und das damit verbundene Eindringen von „Low Cost“-Airlinekonzepten in das traditionelle Flugbusiness. Die neuen „Massen an Touristen“ besuchen zwar weiterhin die „Lonely Planet“-getriebenen Attraktionspunkte in den Destinationen, wünschen sich jedoch im Rahmen der genannten neuen Technologien einen stärkeren und direkteren Austausch mit den Menschen vor Ort. Gewissermaßen wird der Einheimische zur Hauptattraktion der Destination und die Erfahrung, selbst Teil des Lebensraums mit dem Blickwinkel des Einheimischen zu sein, rückt in das Zentrum. Es geht nicht um das Ende des Tourismus im eigentlichen Sinne, sondern um eine neue Balance zwischen den Menschen, welche in den Destinationen leben und den Besuchern, welche sich durch den Austausch mit den Einheimischen einen Status wünschen, der ohne Zweifel abrückt von traditionellen Touristenverhaltensweisen und sich hin orientiert zu einem Verhalten als „Einheimischer auf Zeit“. Es geht um Interessen und Beziehungen durch glaubwürdige Kommunikation, und damit verändert sich der Fokus des Miteinanders von Gast und Gastgeber in einer Destination und die Frage, in welche Richtung sich eine Destination zukünftig entwickeln soll. Verschiedene Fragen deuten auf die großen Veränderungen in einer Region und Destination als Konsequenz eines neuen Miteinanders von Besuchern und Besuchten hin:

Was bedeutet es, wenn man sich vom traditionellen Marketing der Geographie und der Attraktionspunkte verabschiedet und die Kommunikationspolitik stärker an Geschichten und Erfahrungen ausrichtet?

Was bedeutet es, wenn man sich daranmacht, die Besucher insofern zu erziehen, als dass man sie in einen Dialog involviert, welcher als Maßstab die nachhaltige Entwicklung der Destination definiert?

Was bedeutet es, beispielsweise in einer Stadt den Marketingfokus nicht mehr nur auf die Attraktionspunkte zu legen, sondern in der Mikroperspektive auf die Stadtteile abzuzielen und in der Makroperspektive auf das städtische Umland?

Was bedeutet es, wenn nicht nur sogenannte und selbsternannte Tourismusakteure und damit klassische Organisationen und Plattformen des Tourismus wie Tourismusorganisationen und Tourismusverbände, die Zukunft der touristischen Entwicklung eines Ortes oder einer Region bestimmen, sondern die Bevölkerung dieser Orte?

Was bedeutet es also zusammenfassend, wenn aus Touristen Einheimische auf Zeit werden oder was bedeutet es, aus Touristen Einheimische auf Zeit zu machen?

„The End of Tourism as we know it“ ist vor diesem Hintergrund ein provokantes Bild, um marktseitig die großen gesellschaftlichen Veränderungen mit den angebotsseitigen Veränderungen auf der Grundlage großer technologischer Entwicklungen, vom Marketing zum Produkt und vom Produkt zum Erlebnis, darzustellen. Ohne Zweifel tut es der Diskussion rund um die Entwicklung von touristischen Destinationen, Regionen und Standorten gut, diese großen Veränderungen der Rahmenbedingungen auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Ebene wesentlich schneller in die touristische Entwicklung und Diskussion mit einzubeziehen, was somit einer noch stärkeren Vergesellschaftung der touristischen Zukunft gleichkommt.

Autoren: Harald Pechlaner & Elisa Innerhofer

Links zum Thema

Copenhagen declares “The End of Tourism as We Know It” in 4-year destination strategy

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