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Regionales-Innovationsnetzwerk-Suedtirol

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Wirtschaft & Arbeit“ des Eurac Research Instituts für Regionalentwicklung hat es sich zum Ziel gesetzt in einer ersten umfassenden Studie die Rolle von Kooperation und Innovation aus Unternehmenssicht näher zu erforschen. Hierbei wurde zum ersten Mal eine Netzwerkanalyse der Unternehmen in Südtirol durchgeführt. Zentrale Forschungsfragen waren hierbei: Wie findet Innovation in den Unternehmen statt, wie innovationsfähig sind die Betriebe? Welches sind aus Unternehmensperspektive die zentralen Akteure, um Innovationen umzusetzen? Wie wichtig ist es den Unternehmen innovativ zu sein und welche Bedeutung messen sie bei diesem Thema der Zusammenarbeit bei? Wie entsteht in anderen Regionen Innovation?

Innovation und Kooperation als Bestandteil regionaler Entwicklung
Im Rahmen der Studie wurde eine Befragung regionaler Stakeholder und Unternehmen inklusive einer Netzwerkanalyse und eine Best Practice Analyse mit ausgewählten Regionen durchgeführt. Der Vergleich von Südtirol mit anderen europäischen Regionen (Elsass, Oberbayern, Trentino und Tirol) zeigte: Das Innovationspotential der Unternehmen in Südtirol liegt über dem europäischen Schnitt, obwohl weniger in Innovation investiert wird als in den anderen untersuchten Regionen. Südtirol liegt bezüglich des „Input of innovation“ unter dem europäischen Durchschnitt, schneidet allerdings im „Output of innovation“ besser ab. Die durchgeführten Analysen verweisen auf einen hohen Anteil von Klein- und Mittelbetrieben (KMU), welche Innovationen rein innerbetrieblich umsetzen und folglich für die Umsetzung von Innovationen wenig untereinander kooperieren. Südtirol ist laut dem EU Index „Regional Innovation Scoreboard 2016“ ein „Moderate Innovator“ – im Bereich der Innovation bestehen also noch große Potentiale.

Parallel und ergänzend zum Regionenvergleich wurde eine Erhebung und Analyse der Unternehmensnetzwerke in Südtirol vorgenommen. Interviews mit regionalen Stakeholdern und einer Vielzahl an Wirtschaftsverbänden dienten als Basis für die Ausarbeitung der Erhebungstools (Fragebogen und Netzwerkanalyse). Durch die Anwendung eines Methodenmix konnten quantitative, qualitative und relationale Daten erhoben werden, welche es ermöglichen neue Einblicke in die Struktur der Südtiroler Unternehmensnetzwerker zu liefern. Mit Unterstützung der Wirtschaftsverbände konnte eine breite Palette an Unternehmen der Region kontaktiert und befragt werden, welche sich in der territorialen Verteilung, der Betriebsgröße sowie durch diverse Branchen unterscheiden (Rücklaufquote: > 80%).

Die Studie zeigt, dass von den befragten Klein- und Mittelunternehmen mehr als 70% in den vergangenen drei Jahren neue Produkte und/oder Dienstleistungen eingeführt bzw. Prozesse signifikant erneuert haben. Bei Betrachtung der Betriebsgröße zeigte sich, dass der Anteil an umgesetzten Innovationen mit der Größe der befragten Unternehmen abnimmt, dies betrifft vor allem die Mikrounternehmen (bis neun Beschäftigte). Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen die Innovationen rein innerbetrieblich umsetzte. Diese ausgewählten Ergebnisse bestätigen einige der oben erwähnten Resultate der Best Practice Analyse. Die befragten Unternehmen gaben zudem an, dass vor allem gesetzliche Rahmenbedingungen, die Bürokratie, fehlende Finanz- und Humanressourcen, Interessenskonflikte und der Koordinationsaufwand die Kooperation mit anderen erschweren.

Entrepreneurial Orientation als Indikator für das strategische Verhalten der Südtiroler Unternehmen
Die strategische Ausrichtung der Unternehmen wurde mittels der Fragebatterie „EO – Entrepreneurial Orientation“ nach Covin (1991) ermittelt. Mit Hilfe dieses Fragenkatalogs konnten die befragten Unternehmen in folgende Teilgruppen unterteilt werden: „konservativ“, „mäßig“ und „entrepreneurial“. Unternehmen mit einer konservativen Ausrichtung sind dabei risiko-avers, nicht-innovativ und reaktiv, entrepreneuriale Unternehmen sind risikobereit, innovativ und proaktiv, während jene der Gruppe „mäßig“ zwischen den genannten Extremen liegen. Der größte Anteil der befragten Betriebe (43,8%) besitzt eine entrepreneuriale (unternehmerische) Ausrichtung, 30,2% wurden als mäßig eingestuft und 22,9% verfolgen eine konservative Unternehmensstrategie. Setzt man diesen Index mit der Einführung von Innovationen in den Unternehmen in Verbindung, so zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen: Unternehmen der Gruppe entrepreneurial setzten in den letzten 3 Jahren mehr Innovationen um.
Die unternehmerische Ausrichtung kann in drei Teildimensionen unterteilt werden: Innovationsneigung, Proaktivität und Risikobereitschaft. Hierbei ergaben weiterführende Anaylsen, dass sich die Anteile der drei unterschiedlichen Gruppen von Unternehmen zwar gleichmäßig über die drei Teildimensionen verteilen, sich jedoch die Unternehmen der Gruppen „mäßig“ und „entrepreneurial“ nicht in ihrer Innovationsneigung unterscheiden. Dies zeigt, dass die Innovationsneigung bei einem größeren Anteil der Unternehmen sehr hoch ist, aber in den Bereichen Proaktivität und Risikobereitschaft eine Mehrzahl eine eher konservative Unternehmensstrategie verfolgt.

Wie vernetzt sind Südtirols Unternehmen?
Die Erhebung der Unternehmensnetzwerke erfolgte durch persönliche Interviews mit ausgewählten Unternehmen der Region, wodurch die Einbettung der befragten Klein- und Mittelunternehmen in ein Netzwerk untersucht werden konnte bzw. zwischen welchen Akteuren Interaktionen bestehen. Die Anzahl der Knoten im erhobenen Netzwerk gibt die Anzahl der Akteure wieder, während die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren durch Verbindungen gekennzeichnet ist. Das untersuchte Netzwerk ist kein dichtes Netzwerk, d.h. dass die Anzahl an Verbindungen zwischen allen Akteuren sehr gering ist. Dies ist zudem auf die Art der Befragung zurückzuführen, da die befragten Unternehmen unabhängig voneinander ausgewählt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass jeder Akteur im Durchschnitt 2,3 direkte Verbindungen mit einem anderen Akteur besitzt. Der Kontakt zu unbekannten Akteuren kann hingegen indirekt über durchschnittlich 5 bis 6 andere Akteure hergestellt werden. Einer der Hauptgründe für die Zusammenarbeit ist der wirtschaftlichen Mehrwert der darin gesehen wird (45,3%). Bei ca. 23% wird Innovation (22,7%) als größter Nutzen bzw. Mehrwert der Zusammenarbeit angesehen.
Bei der Untersuchung wurde zwischen zwei Ebenen unterschieden: Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Innovationsziel (Innovationsnetzwerk) und Zusammenarbeit für geschäftliche Zwecke, wie zum Beispiel reine Zuliefer-Abnehmer-Beziehungen (Kooperationsnetzwerk). Die Analysen zeigen, dass innerhalb des Innovationsnetzwerkes ein Großteil der KMUs mit überregionalen Akteuren zusammenarbeitet. Die befragten Akteure sind in ein überregionales Netzwerk eingebettet und holen sich Innovationen von außen, dies bedeutet aber auch, dass die Zusammenarbeit im Bereich der Innovation innerhalb der Region noch ausbaufähig ist. Im Bereich der Innovation sind vor allem die Zusammenarbeit mit Institutionen (sogenannte Intermediäre) und Forschungseinrichtungen von großer Wichtigkeit, während bei Betrachtung des reinen Kooperationsnetzwerkes vor allem die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und den Verbänden dominiert.

Autoren: Ingrid Kofler, Anja Marcher, Francesco Anesi

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