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CC-BY: Unsplash

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Leider wissen nur Experten, dass das Europäische Netzwerk zur Raumbeobachtung (European Spatial Observation Network, ESPON) eine Karte des Monats zur räumlichen Entwicklung der Europäischen Regionen veröffentlicht. Im Rahmen des von der Europäischen Kommission verabschiedeten ESPON-Programms werden zahlreiche kartographische Grundlagen sowie vielfältige projektbasierte territoriale Analysen publiziert. Diese zeigen die teilweise großen regionalen Differenzen in der EU insbesondere in der sozioökonomischen und wirtschaftsgeographischen Entwicklung. Es wird offensichtlich, dass es für die politischen Entscheidungsträger im Rahmen der europäischen Kohäsionspolitik noch viel Arbeit gibt, wenn es darum geht gezielt Maßnahmen für Regionen mit Entwicklungsrückstand zu ergreifen. Die Kohäsionspolitik der EU zielt seit 1986 darauf ab die ungleiche wirtschaftliche Entwicklung auszugleichen. Nicht umsonst ist der Leitspruch von ESPON deshalb: „Inspire policy making by territorial evidence”: die innereuropäischen räumlichen Differenzen weisen den Politikern den Weg.

Seit Beginn 2014 arbeiten die Geographen des Instituts für Regionalentwicklung an einem ESPON-Projekt und sind somit Teil dieses wichtigen europäischen Netzwerkes. Die bisherigen räumlichen Analysen von ESPON basieren vor allem auf Daten auf Ebene der Regionen und Provinzen. Gemäß der Nomenklatur des Europäischen Statistikamtes Eurostat entsprechen diese den Ebenen NUTS 2 und 3 (Nomenclature des Unités Territoriales Statistiques). Diese Analyseebenen sind aber aufgrund der teilweise großen innerregionalen Unterschiede für eine detaillierte Untersuchung der Entwicklungsunterschiede unbefriedigend. Das wird deutlich, wenn man die beiden untenstehenden Karten genauer betrachtet. Sie zeigen die Veränderung der Einwohner 1980-2010 auf Ebene NUTS 3 (in Italien also Provinzen) und auf Ebene der Gemeinden (nach Eurostat: Local Administrative Unit/LAU 2). Zum Beispiel Steiermark im östlichen Alpenraum: Während auf NUTS 3 Ebene alle Gebiete ähnliche Aufgaberaten zeigen, sieht das Bild der Gemeinden wesentlich differenzierter aus. Ähnliches trifft auch für Südtirol zu.

Im Auftrag von ESPON sammelt und bearbeitet das EURAC-Institut nun europaweite Gemeindedaten. Ziel ist es, die bereits existierende LAU 2-Datenbank mit statistischen Daten aus den Jahren 2001 und 2010 zu vervollständigen. Hierbei geht es um 125.000 Gemeindedaten. Ein Knackpunkt stellt hierbei die Notwendigkeit dar, die Daten so zu bearbeiten, i.e. zu harmonisieren, dass sie vergleichbar sind. Zu groß sind die definitorischen und administrativen Unterschiede zwischen den EU-Staaten. Das Institut konnte sich gegen mehrere Mitbewerber durchsetzen, weil es sich seit vielen Jahren im Bereich der alpenweiten Raumbeobachtung auf die Analyse von Gemeindedaten spezialisierte. Im Rahmen des Projektes zur Untersuchung der agrarstrukturellen Entwicklung in den Alpen AGRALP und seinem Nachfolgeprojekt MONAS verwirklichte das Institut eine einzigartige Datenbank mit rund 6.000 Gemeindedaten, die Zeitreihenanalysen bis zurück zu den 1980er Jahren ermöglicht. In einem neuen Projekt über den Erweiterten Alpenraum gehen die Geographen des Instituts nun zum ersten Mal weit über den bisherigen Alpenkonventionsperimeter (rund 6.000 Gemeinden) hinaus. Mit einer ersten Karte, welche die demographische Entwicklung in den letzten zehn Jahren aufzeigt, wurden bereits rund 40.000 Gemeindedaten harmonisiert.

Autor: Thomas Streifeneder

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