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Wandertourismus-Pfunderer-Hoehenweg

Wandern gilt schon lange als fester Bestandteil des touristischen Angebots der Alpendestinationen. Kaum verwunderlich, wenn man laut Deutschem Wanderverband (2010) davon ausgehen kann, dass etwa jeder zweite Deutsche entweder regelmäßig, gelegentlich oder eher selten wandert. Das sind rund 40 Millionen Personen in Deutschland. Davon sind 21 % anspruchsvolle Wanderer und suchen sich dementsprechende Routen aus. Zudem unternehmen 16 % der Deutschen auch einen reinen Wanderurlaub und 58% der Wanderurlaube verbringt die deutsche Bevölkerung im Ausland; davon 28% in Italien.

Es sieht nicht so aus, als würde die Attraktivität des Wanderns in Zukunft abnehmen. Marktprognosen gehen von einem stabilen bis leicht wachsenden Volumen aus. Dies wird im Speziellen mit dem hohen Gesundheitsbewusstseins der Bevölkerung begründet: Wandern unterstützt die Prävention von Krankheiten und wirkt Stress im privaten wie im beruflichen Umfeld entgegen (Deutscher Wanderverband, 2010). Aktuelle Untersuchungen der EURAC zu den dominierenden Themen des Tourismus in Südtirol unterstreichen die herausragende Bedeutung des Wanderns.

Gemeinsam mit der eng verwandten landschaftlichen Attraktivität, Kultur und dem Wintersport ist das Wandern unbestrittener Teil der thematischen Grundfeste des Südtiroler Tourismus – manche sehen es sogar an erster Stelle. Diese Bedeutung spiegelt sich sowohl in den nachfrageseitigen Daten als auch in den Einschätzungen der Angebotsseite wieder. Ein Spezialfall des Wandertourismus sind mehrtägige Fernwanderungen und/oder Höhenwege (bisweilen auch unter dem Schlüsselwort Trekking bekannt).

Von Hütte zu Hütte wandern und jeden Tag eine Vielzahl an Kilometern und einiges an Höhenmetern hinter sich lassen gilt als wahre Herausforderung. Auch wenn solche mehrtägigen Fernwanderungen in Relation zum gesamten Wandertourismus zahlenmäßig ein Minderheitenphänomen sind, so stellen sie in einer gewissen Hinsicht dessen reinste Ausprägung dar. Sie sind die qualitative Spitze des Angebotes Wandertourismus. Destinationsmanager können sie ins Schaufenster ihrer Region stellen und sie stoßen bei Medien auf große Beliebtheit. Entsprechend sind solche Angebote für die Positionierung einer Wanderdestination von großer Bedeutung. Zahlreiche Touristen kommen jährlich nach Südtirol um die Herausforderung „Höhenweg“ anzunehmen und ein ganz besonderes Erlebnis mit nach Hause zu nehmen. Insbesondere der Meraner Höhenweg und die zehn Höhenwege der Dolomiten haben sich bereits als erfolgreiche touristische Angebote profiliert und schlagen auch zahlenmäßig zu Buche.

Der Pfunderer Höhenweg, wenngleich nicht minder beeindruckend, gilt hingegen noch als Geheimtipp unter den Höhenwanderungen. Er punktet mit sportlichen Herausforderungen, Abgeschiedenheit und unberührten Naturlandschaften sowie historischem Tiefgang. Auch im von der EURAC betreuten Projekt zur Destinationsentwicklung im Pfunderer Tal und in den Pfunderer Bergen kam das Potential des Höhenweges immer wieder zur Sprache. Der Pfunderer Höhenweg wurde bereits vor 45 Jahren auf Initiative des Alpenvereins Südtirol unter der Ägide des langjährigen Leiters der AVS Sektion Brixen Dr. Lutz Chicken, Arzt und Bergpionier, errichtet. In monatelanger Arbeit legten alle von Sterzing bis Bruneck gelegenen Sektionen bzw. Ortsstellen des AVS den Weg an. Genutzt wurden bereits existierende AVS Steige, Verbindungswege von Hochalmen und teils vorhandene Steige bzw. Steigspuren über Jöcher und Scharten. Es galt Markierungen und Beschilderungen anzubringen und an einigen Abschnitten waren auch Geländearbeiten und Absicherungsarbeiten notwendig. Auf einer Länge von rund 70 Kilometern überwinden die Wanderer auf dem Pfunderer Höhenweg 5.600 Höhenmetern.

Der Weg führt von Sterzing bis St. Georgen, zwischen den vielen Dreitausendern des Alpenhauptkammes und den weltbekannten Dolomiten im Süden in fünf Etappen durch die für die Pfunderer Berge typischen, steilen Grashänge, vorbei an einigen der schönsten Bergseen (Wilder See, Eisbruggsee, Tiefrastensee) und attraktivsten Schutzhütten (z.B. Brixner Hütte, Edelrauthütte – Neubau 2015, Tiefrastenhütte) des Landes. Unzweifelhaft stellt der Pfunderer Höhenweg für den versierten Bergwanderer bzw. Bergsteiger, sei es einheimischer Bergfreund oder bergorientierter Feriengast, ein überaus attraktives Angebot dar. Umso verwunderlicher scheint es, dass der Pfunderer Höhenweg bisher keine vergleichbare Entwicklung sah wie der Meraner Höhenweg. Dies ist nur teilweise auf den deutlich höheren Schwierigkeitsgrad zurückzuführen. Der Pfunderer Höhenweg ist ein bedeutendes Kulturgut und ein touristisches Angebot, welches aktuellen gesellschaftlichen und touristischen Trends entspricht und für Einheimische wie Gäste gleichermaßen wertvoll ist.

Die Schönheit des Höhenweges und seine ganz besondere Flora und Fauna allein reichen aber nicht aus, um das volle touristische Potential des Pfunderer Höhenweges auszuschöpfen. Durch gezielte Generierung von Aufmerksamkeit kombiniert mit punktuellen Nachbesserungen am Angebot kann gewiss noch einiges bewegt werden. Die Gefahren eines „Massentourismus“ scheinen jedenfalls weit weg. Die Eröffnung der runderneuerten und architektonisch experimentierfreudigen Edelrauthütte im Jahr 2016 stellt hierfür eine Chance dar. Bleibt zu hoffen, dass ein Teil der zu erwartenden Aufmerksamkeit auch diesem vor der Haustüre vorbeigehenden, einzigartigen Höhenweg gilt.

Autoren: Michael Volgger und Astrid Früh

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