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CC-BY: Unsplash

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Einige Beispiele zeigen, dass sich die Synergien zwischen den Sektoren Landwirtschaft und Tourismus bereits erfolgreich nutzen lassen. Prägnantestes Beispiel ist der Urlaub auf dem Bauernhof oder Agrotourismus. Dieses Angebot verzeichnet in Italien und Südtirol, auch dank der Plattform „Roter Hahn“, seit Jahren steten Zuwachs, sowohl hinsichtlich der Zahl der Betriebe als auch der Nächtigungen. In Südtirol bieten mittlerweile deutlich mehr als 10% der landwirtschaftlichen Betriebe Urlaub auf dem Bauernhof an. Damit gehört Südtirol zu den nationalen und alpenweiten Spitzenreitern (Details Karte PDF – hier öffnen).

Viele innovative Möglichkeiten der intersektorialen Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus präsentiert der Euregio-Wettbewerb „Landwirtschaft trifft Tourismus“. Der Gewinner 2012 aus dem Trentino: „Giovani Albergatori del Trentino e Coldiretti Giovani Impresa Trento – Progetto intersettoriale di cultura d’impresa e marketing territoriale dei prodotti agroalimentari tipici” (Intersektorales Projekt zur Förderung der Unternehmenskultur und des Marketings in Bezug auf die typischen landwirtschaftlichen Lebensmittel). Im Rahmen dieses Projektes kooperieren 180 Hoteliers und 300 Landwirte. Sie wollen Angebot und Nachfrage von landwirtschaftlichen Lebensmitteln verbinden. Die Unternehmer der beiden Sektoren arbeiten zusammen, in dem sie Richtlinien für eine faire Kooperation wie z.B. die Schaffung eines Unternehmen-Netzwerkes erstellen.

Die kooperativen Potentiale könnten aber noch stärker genutzt werden. Hierbei spielen regionale landwirtschaftliche Produkte eine zentrale Rolle. Sie könnten noch mehr Eingang in die Menüs der einheimischen Hotel-, Gastronomie und Lebensmittelbetriebe finden. Catering vom Hof, die Belieferung von Privathaushalten (Biokistl) und die Verköstigung bäuerlicher Produkte bei privaten, beruflichen und öffentlichen Veranstaltungen werden stärker nachgefragt werden. Hierzu sind Angebot, Nachfrage und Logistik nach obenstehendem Beispiel zusammenzubringen. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Projekt „Lokales – das digitale Schaufenster“, ein Spin-off des ESF-Projektes „Zukunft 2030“.

In-house-Verköstigungen präsentiert durch den Produzenten, stellen ein attraktives Angebot für die Gäste dar. Hoteliers können darauf hinweisen, wo man welche landwirtschaftlichen Produkte in der Nähe kaufen kann. Verköstigungen auf dem Hof selbst sind für Touristen Höhepunkte ihres Aufenthalts. Diese Angebote befriedigen den Wunsch der Gäste nach Regionalität. Auch Schaukäsereien, Hoffeste oder Tage des offenen Hofes erfreuen sich großer Beliebtheit. Das landwirtschaftliche Angebot für die Touristen reicht aber über die Präsentation und den Genuss von regionaltypischen Produkten und Handwerksprodukten sowie den Besuch von traditionellen und kulinarischen Veranstaltungen hinaus. Neben Verköstigungen im Hotel, sind verschiedene Tätigkeiten des Landwirts für den Touristen z.B. als Wander- und Bergführer und im Bereich der Skiliftanlagen attraktive außerlandwirtschaftliche Einkommensquellen. Interessant könnte in diesem Zusammenhang auch der albgergo diffuso oder der cooperative di comunità Ansatz sein, um leerstehende Höfe touristisch zu nutzen.

Auf dem Hof selbst bieten sich bei entsprechenden betrieblichen und unternehmerischen Bedingungen weitere touristische Diversifizierungspotenziale. Diese reichen von einer zeitlich befristeten Mitarbeit auf dem Hof bis zum Angebot von Koch-, Kräuter- und Gartenveranstaltungen inklusive spezieller gesundheitlicher Angebote wie Heubäder etc. Diese Angebote decken sich mit dem Trend des Gastes einen Aktivurlaub zu verbringen und den Wunsch nach möglichst naturnahen Erlebnissen. Somit profitiert der Hotelgast direkt von landwirtschaftlich-touristischen Dienstleistungen. Zwischen den Tourismustreibenden und Landwirten bestehen aber auch Konflikte. Landschaftliche Eingriffe einerseits von Seiten der Landwirtschaft wie z.B. das Anbringen von Hagelnetzen, die Planierung von Alm- und Weideflächen, Bauen im Grünen und andererseits durch den Tourismus wie z.B. Skiliftanlagen, untypische Hotelbauten und Freizeitverkehr wirken sich negativ auf das natürliche Umfeld und die Lebens- und Erholungsqualität aus.

 

Quelle: Streifeneder 2014

Quelle: Streifeneder 2014

Es existieren positive und negative Wechselwirkungen (siehe Abbildung). Die Entscheidungsträger können die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für innovative Formen der horizontalen und vertikalen Zusammenarbeit schaffen. Finanziell und administrativ unterstützt (Innovationsschalter, Weiterbildung), könnten die Synergien und die Kooperation zwischen Landwirtschaft und Tourismus in Zukunft noch besser in Wert gesetzt werden.

Autor: Thomas Streifeneder

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