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Klimawandel-Suedtirol

Zeigten sich die Wiesen und Hänge in Südtirol letztes Jahr um diese Zeit (Dezember 2015) noch in einem üppigen Grün, dominiert dieses Jahr die Farbe braun. Zwei Sommer hintereinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Laut dem Landeswetterdienst der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol lagen im Jahr 2014 die Durchschnittstemperaturen im ganzen Land um 0,5 bis 1°C unter dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre und an 37 von 92 Sommertagen fiel mindestens 1 mm Niederschlag. Der Sommer 2015 geht hingegen als zweitheißester seit Beginn der Aufzeichnungen in die Südtiroler Wettergeschichte ein. Es gab 29 Nächte mit Temperaturen über 20°C und in Bozen wurden an 22 Tagen mehr als 35°C gemessen. Was auf den Sommer 2014 schließlich folgte, war bis jetzt ein Winter, der den Namen nicht verdiente. Dieses Jahr muss sich dieser erst noch unter Beweis stellen.

Der Tourismussektor hat heuer zweifelsohne von dem außergewöhnlich warmen und schönen Sommer profitiert. Sowohl bei den Ankünften als auch bei den Nächtigungen verzeichneten die meisten Ferienregionen ein sattes Plus. Mit 3,9 Millionen Ankünften (+6,9%) und 18,3 Millionen Übernachtungen (+3,9%) wurde laut Landesinstitut für Statistik ASTAT das beste jemals erhobene Ergebnis erzielt. Vielerorts ist die Euphorie über diese außergewöhnlich gute Sommersaison nun jedoch wieder dem Bangen um die Wintersaison gewichen. Das neuerliche Warten auf den großen Schnee hat begonnen. Der WIKU (wöchentliches Wirtschaftszeitung) hat die Herausforderungen die diesbezüglich nicht nur auf den Tourismussektor sondern auch auf die Industrie zukommen, kürzlich mit dem Artikel „Skifahren – Schnee von gestern“ auf den Punkt gebracht.

Die Landwirtschaft hingegen hat in manchen Teilen des Landes stark unter den heißen Temperaturen und den vielen Hitzegewittern gelitten. Von der Trockenheit betroffen waren laut Südtiroler Bauernbund (SBB) vor allem der Grünlandbereich und die Lagen im Süden des Landes sowie der Tschögglberg, Kohlern, Ritten und Jenesien. Die Obst- und Weinbauern mussten sich aufgrund der häufigen Gewitter außerdem vor Hagelschäden sorgen. Leo Tiefenthaler, Landesobmann des SBB erklärte jedoch, dass in den letzten Jahren viel in die Bewässerungsstrukturen für die Landwirtschaft investiert wurde und man daher entsprechend auf trockene Phasen vorbereitet sei. Nichtsdestotrotz sollte man sich laut Experten auf zeitliche Veränderungen bei der Ernte, einen höheren Wasserbedarf bei gleichzeitig geringerer Wasserverfügbarkeit und auf eine höhere Anfälligkeit gegenüber Schädlingen einstellen.

In jedem Fall zeigen die beiden vergangen Sommer sowie der schneearme Winter 2014 einmal mehr, dass sich der Klimawandel auch in Südtirol bemerkbar macht. Während der Sommertourismus dabei eher zu profitieren scheint, wirkt er sich auf den alpinen Wintertourismus und die Landwirtschaft oft negativ aus. Darauf weisen auch einige der Projekte hin, die in den letzten Jahren am EURAC Institut für Regionalentwicklung und Standortmanagement zum Thema Klimawandel und Tourismus durchgeführt wurden.

In den drei Projekten ClimAlpTour, Klimawandel in Südtirol und C3-Alps wurden insgesamt rund 1.300 Fragebögen unter Sommer- und Wintertouristen gesammelt und ca. 50 Interviews mit lokalen Akteuren aus der öffentlichen Verwaltung und den unterschiedlichen Wirtschaftssektoren geführt. Im Rahmen dieser Projekte hat sich gezeigt, dass von Seiten der Gäste vor allem Unsicherheiten hinsichtlich der Auswirkungen auf die Hauptaktivitäten Wandern und Skifahren sowie möglicher Landschaftsveränderungen bestehen. Sowohl die lokalen Akteure im Tourismus als auch jene des Landwirtschaftssektors begegnen dem Phänomen Klimawandel jedoch immer noch mit großer Ungewissheit.

Die wirtschaftlichen Branchen im Alpenraum sind in jedem Fall unterschiedlich stark anfällig für die meist negativen, aber zum Teil auch positiven Auswirkungen des Klimawandels. Landwirtschaft und Tourismus scheinen die Effekte jedoch verhältnismäßig stark zu spüren. Es wird daher auch für Südtirol immer wichtiger, intensiv darüber nachzudenken, welche möglichen Anpassungsstrategien für die Region in Frage kommen.

Autor: Lena-Marie Lun

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