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109 km lang ist er, der neue Fernwanderweg, der vom Vigiljoch über den Gampenpass und das Nonstal bis nach Trient führt – eine neue Verbindung zwischen Südtirol und Trentino, eine thematische Schwerpunktsetzung im christlich-spirituellen Bereich und Spurensuche mit dem Hl. Vigilius von Trient. Es fällt auf, dass Wege dieser Art in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen haben, bei den Interessensgruppen in den Tälern und Regionen genau so wie bei den Gästen. Damit verbunden sind aber auch gleich mehrere Probleme und Perspektiven.

Gerade weil solche Wege, Trails, Routen oder Straßen an Bedeutung gewinnen, besteht die Gefahr, dass zu viel des Guten getan wird, und manchmal auch zu viele Wege entstehen. So kann es schon mal passieren, dass entlang der derselben Strecke mehrere thematische Routen verlaufen: Die Via Claudia Augusta beispielsweise verläuft im Bayerischen Raum parallel zur Romantischen Straße, die Via Vigilius teilt sich Teile der Wegstrecke mit dem Jakobsweg oder dem Romedius-Pilgerweg – Spiritualität pur! Wir meinen, dass dies alles kein Problem darstellt, solange in den Kommunikationsmaßnahmen darauf Bedacht genommen wird, dass es darum gehen muss, die verschiedenen Wegekonzepte – für die verschiedenen Gäste- und Interessensgruppen – auseinanderzuhalten und unterschiedlich zu bewerben. Dies wird eine der großen Herausforderungen des Destinationsmarketings der nächsten Jahre werden, weil Wege für Gäste wichtiger werden und weil diese Wege im besten Falle nicht von einer Destination, sondern von gleich mehreren gemeinsam abgestimmt entwickelt und beworben werden müssen – und Abstimmung zwischen touristischen Destinationen ist auch bis auf weiteres der schwierigere Akt als Abstimmung innerhalb von Destinationen.

Wege überwinden oftmals Grenzen. Kommunale oder regionale Grenzen, kulturelle und/oder sprachliche Grenzen; gerade dies ist im Grenzraum von Südtirol und Trentino deutlich spür- und erlebbar. Dabei geht es darum, auch unsichtbare Grenzen verständlich zu machen, jene Mikrogrenzen, die zumeist nur die örtliche Bevölkerung entlang der Wege kennt, und die einen tiefergehenden Blick in das Innere eines Territoriums ermöglichen. Landesgrenzen sind das eine, Sprachgrenzen das andere, aber die Grenzen des Trennens und die Wege des Verbindens bei der Bewirtschaftung des Berges, beim Wohnen und Gestalten am Berg, beim Teilen der Ressourcen des Berges, wie z.B. das Wasser, machen die Wege, Trails und Routen erst richtig wertvoll.

Zu wissen und dahinter zu blicken, warum gerade entlang der Via Vigilius im poliltischen Grenzraum zwischen Trentino und Südtirol Katastralgrenzen (jene des Geltungsbereichs des Grundbuchs) und Landes- bzw. Provinzgrenzen nicht dieselben sind, schafft nicht nur Wissen und Hintergrundinformationen, sondern ermöglicht dadurch erst ein besseres Verständnis jener Gebiete, die man auf ihren Wegen durchschreitet.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist jene, dass es weniger darum geht, Wege zu entwickeln, um diese über Kommunikation den Interessenten schmackhaft zu machen, sondern darum, gute Themen zu haben, die sich für Wegkonzepte eignen. Ein gutes Thema ist die halbe Miete, und schafft Identität bei der Bevölkerung entlang der Wege, und Interesse bei den Zielgruppen. Die Romantische Straße ist ein exzellentes Angebot für internationale Gäste, welche über die Reiseveranstalter Teile der Route auch ansteuern, was romantisch ist und was weniger, ist Teil des Kommunikationskonzeptes. Die Via Vigilius hat ihre Fundamente in der Geschichte – und in den (vielfältigen) Grenzen, die über den Weg überwunden werden können.

Ein letztes: Wege, Trails, Routen und Straßen bedürfen der Pflege. Nicht nur im Sinne der Erhaltung und Beschilderung, sondern auch im Sinne der Identität und Überzeugung, dass der Weg eine bestimmte Wichtigkeit hat. Über ihn zu reden, Vorschläge der Verbesserung zu machen, Gelegenheiten der Thematisierung des Weges immer wieder ergreifen, und ein professionelles Konzept für die Weiterentwicklung, dies sind die Notwendigkeiten des Destinationsmanagements und -marketings!

Autoren: Harald Pechlaner und Ingrid Kofler

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