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Wandertourismus, Weintourismus, Kulturtourismus und Skitourismus sind mitunter vielleicht die wichtigsten thematischen Ausrichtungen, mit denen sich die Südtiroler Tourismuswirtschaft seit Jahrzehnten erfolgreich auf dem nationalen und internationalen Markt positioniert. Daneben gibt es Nischensegmente, die derzeit eine unterschiedlich hohe Relevanz haben, aber in jedem Fall stetig an Bedeutung gewinnen. Dazu gehören beispielsweise der Radtourismus, der alternative Wintertourismus, der Gesundheitstourismus, der Architekturtourismus und vieles mehr.

Eine weitere Nische, die in den letzten Jahren auch in Südtirol verstärkt gespielt wurde, ist der Energietourismus. Allen voran, ist dabei das Projekt „enertour – Energie- und Klimatourismus in Südtirol“ zu nennen, das vom TIS innovation park und der Stiftung Südtiroler Sparkasse getragen wird. Seit 2006 werden im Rahmen dieses Projektes geführte Touren zu 150 verschiedenen Besichtigungszielen, wie Klima-Häusern, Biomasseanlagen und Erneuerbare-Energie-Gemeinden, durchgeführt. 2016 feiert die enertour ihr 10jähriges Jubiläum und seit ihrem Bestehen konnten bereits 10.000 Besucher für das Thema begeistert werden.

Noch scheint es ein Angebot zu sein, das vor allem Fachpublikum, darunter viele Schulklassen und Universitätsstudenten, anzieht. Doch bereits 2010 haben Forscher der Universität Wien diskutiert, dass das Thema „Erneuerbare Energien“ auch Potential für ein breiteres, erlebnisorientiertes Publikum hat. Der Freizeitgedanke rückt dabei in den Mittelpunkt. Die Kombination von Technik, Emotion, Nachhaltigkeit, Bildung und Spaß kann vor allem für Familien und für umweltaffine Gäste ein interessantes touristisches Produkt darstellen.

Das EURAC-Institut für Regionalentwicklung und Standortmanagement hat sich schon vor einigen Jahren im Rahmen des Projektes „Klimaerlebniswelt Südtirol“ intensiv mit dem touristischen Potential von erneuerbaren Energien auseinandergesetzt. Auch im Rahmen eines aktuellen Projektes in Bezug auf die Revitalisierung und Aufwertung eines Stausees, hat sich gezeigt, dass das Thema Wasserkraft für Südtirol ein überaus großes Attraktivitätspotential hat. Die Nutzung von Wasserkraft hat hierzulande eine lange Tradition. Heute werden ca. 5.600 Gigawattstunden Strom jährlich durch Wasserkraftwerke produziert, was rund doppelt so viel ist, wie in der Provinz verbraucht wird. Im Rahmen des Projektes wurde auf der Basis von Interviews mit Vertretern von Best-Practice Beispielen in Italien (Centrale Enel Luigi Einaudi, Museo dell‘Energia Idroelettrica) Österreich (Kaprun Hochgebirgsstauseen, Illwerke Tourismus, Freizeitzentrum Klauser See) Deutschland (Erlebniskraftwerk Walchensee) und der Schweiz (Grimselwelt, Grande Dixence) eine Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten aufgezeigt, die auch für die touristische Aufwertung von Südtiroler Stauseen in Frage kommt.

Der Kern einer auf Wasserkraft basierten touristischen Attraktion liegt dabei immer in der Besichtigung von Staumauern und Kraftwerkszentralen, da diese Elemente die größte Faszination auf den Besucher ausüben und emotionale Erlebnisse generieren. Eine wichtige Rolle nehmen auch Besucherzentren ein, da diese beispielsweise Möglichkeiten zur interaktiven Aufarbeitung der historischen Ereignisse rund um die Erschließung von Wasserkraft bieten. Nicht zuletzt ist es auch die Einbettung in das Bergerlebnis und in die landschaftliche Schönheit, welche die Gestaltung touristischer Produkte und Angebote rund um das Thema Wasserkraft abrunden sollten.
Sowohl internationale Tendenzen und Vorzeigeprojekte als auch die Ergebnisse dieses Projektes zeigen, dass die ersten energietouristischen Ansätze, die es in Südtirol bereits gibt, durchaus weiter ausgebaut werden können. Dabei sollte man sich verstärkt auch am erlebnisorientierten Publikum orientieren, um ein touristisches Potential zu schaffen, das über die Landesgrenzen hinaus geht und der Positionierung Südtirols als “Green Destination” Rechnung trägt.

Autor: Lena-Marie Lun

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